Deutscher Gewerkschaftsbund

11.04.2018

Was ist eine Gewerkschaft?

Die Antwort scheint auf den ersten Blick klar: eine Vereinigung von und für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Doch es gibt klare Kriterien, die es zu erfüllen gilt. Wir zeigen, welche!

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Das Grundgesetz verbrieft in Artikel 9, Absatz 3 das Recht für alle Beschäftigten, Vereinigungen zu bilden, um ihre Interessen in der Arbeitswelt zu wahren – in allen Berufen. Die sogenannte „Koalitionsfreiheit“. Darüber hinaus gilt es, die im Tarifvertragsgesetz § 2 festgeschriebenen, tarifrechtlichen Anforderungen zu erfüllen: Dort wird festgeschrieben, dass nur Arbeitgeber und Gewerkschaften Tarifvertragsparteien sein können – also Tarifverträge verhandeln und abschließen dürfen.

Grundlegende Anforderungen

Damit ein Zusammenschluss von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auch wirklich eine Gewerkschaft ist – eine Koalition im Sinne des Grundgesetzes – gelten folgende Kriterien:

  • Freiwillige Vereinigung

In einer Gewerkschaft haben sich die Beschäftigten freiwillig und auf gewisse Dauer zusammengeschlossen

  • Satzungsmäßiger Zweck: Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen fördern und wahren

In der Satzung einer Gewerkschaft ist als gemeinsame Aufgabe und Ziel formuliert, die Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen zu wahren und zu fördern.

  • Unabhängigkeit

Eine Gewerkschaft ist finanziell, personell und organisatorisch unabhängig von Dritten (Staat, Parteien, Kirchen) und vom Gegenüber (Arbeitgeber). Sie ist ebenfalls „gegnerfrei“, d.h. in Gewerkschaften dürfen Arbeitgeber nicht Mitglied sein. Manchmal wird auch die überbetriebliche Tätigkeit einer Gewerkschaft als Zeichen der Unabhängigkeit angeführt.

  • Demokratische Organisation

Eine Gewerkschaft ist demokratisch organisiert und durch Wahlen und Mitbestimmung ihrer Mitglieder legitimiert.

Tarifrechtlichte Anforderungen

Hinzu kommen die tarifrechtlichen Anforderungen an eine Gewerkschaft:

Eine Gewerkschaft ist tariffähig. Die Tariffähigkeit lässt sich vorrangig anhand von drei Kriterien überprüfen:

  • Soziale Mächtigkeit

Eine Gewerkschaft muss sich durchsetzen können. Diese soziale Mächtigkeit braucht sie, um vom Gegenüber als Verhandlungspartner anerkannt und ernst genommen zu werden. Merkmale sind eine durchsetzungsfähige Organisation mit einer entsprechenden Mitgliederzahl, die grundsätzlich bereit zu Arbeitskampfmaßnahmen ist, und die in der Vergangenheit bereits Tarifverträge geschlossen hat (dazu zählen keine Gefälligkeits- oder Scheintarifverträge).

  • Tarifwilligkeit

Hier gilt das Prinzip „alles oder nichts“ – eine Gewerkschaft muss bereit und fähig sein, über alle Arbeitsbedingungen zu verhandeln und Abschlüsse zu erzielen. Die eigene Verhandlungsmacht darf nicht auf gewisse Bereiche beschränkt werden, denn es gibt keine Teiltariffähigkeit.

  • Durchsetzungswille

Eine Gewerkschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie den Willen hat, Tarifverhandlungen zu führen und tarifrechtliche Forderungen durchzusetzen.


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